Für die Bekämpfung von Zeitnot ist die schachliche und mentale Ursachenforschung entscheidend. Weniger Fehler durch Zeitnotvermeidungstraining.

ZEITNOT

Zum Seitenanfang
Die Klappe könnte jeden Augenblick fallen. Für die einen ein Riesenschreck, für die anderen nichts Ungewöhn­liches. Objektiv gesehen ist die Fehleranfälligkeit in Zeitnot jedoch enorm.
Turnier­vorbereitung
HOME
Zum Seitenanfang

Was ist Zeitnot?

Wenn man nicht mehr viel Zeit hat bis zur nächsten Zeitkontrolle.

Eine genaue Definition gibt es nicht. Zeitnot ist etwas Subjektives und wird von jedem Spieler und jeder Spielerin anders empfunden. 30 Sekunden oder weniger pro Zug ist aber jedenfalls Zeitnot.

Ist Zeitnot so schlimm?

Zeitnot im Schach, besonders wenn sie regelmäßig auftritt, ist ein erheblicher Nachteil, der gar nicht ernst genug genommen werden kann, denn die Fehleranfälligkeit in Zeitnot ist einfach riesig.

Selbst bei viel Zeitnot-Erfahrung passieren immer wieder haarsträubende Schnitzer, die in keinem Verhältnis zur Spielstärke stehen. Das geschickte Ausnutzen gegnerischer Zeitnot ist hier ein wichtiges Thema im praktischen Training.

Entscheidend ist die Ursachenforschung

Das Wichtigste, aber auch Schwierigste ist herauszufinden, warum man in Zeitnot gerät. Und auch, ob das häufig geschieht oder nur gelegentlich.

Die Gründe können schachlicher oder mentaler Natur sein.

Unverhältnismäßiger Zeitverbrauch entsteht etwa durch mangelnde Eröffnungskenntnisse oder Schwierigkeiten bei der Planfindung. Ebenso durch ungenügende Wettkampfpraxis oder unsystematische Variantenberechnung.

Warum kommt man ständig in Zeitnot? Sind die Gründe schachlicher oder mentaler Natur? Ursachenforschung ist angesagt.

Bei mental begründeter Zeitnot ist vor allem die Schwierigkeit, sich zwischen Alternativen entscheiden zu können, eine der Hauptursachen. Es gibt aber auch das spielversunkene "Die-Schachuhr-vergessen" oder Ablenkbarkeit und Tagträumerei.

Zeitnottraining

Natürlich kann man auch das Spielen in Zeitnot trainieren und in einigen Fällen macht das Sinn.

Viel wichtiger ist aber sich darauf zu konzentrieren nicht in Zeitnot zu kommen. Deshalb ist der Begriff Zeitnottraining nicht ganz zutreffend, eigentlich sollte es Zeitnot­vermeidungs­training heißen.

Zeitnot als psychologische Falle

Selten, aber doch kommt es vor, sich absichtlich in Zeitnot fallen zu lassen, beispielsweise um sein Gegenüber in einer Remisstellung zu unvorsichtigem Handeln zu verleiten. Das ist natürlich mit erheblichem Risiko verbunden und kann auch leicht schief gehen.

Motivtheorie ist in Zeitnot besonders wichtig

Je rascher man Entscheidungen treffen muss, desto wichtiger sind motivtheoretische Vorbilder.

  • Weiß am Zug
    Schachdiagramm für Schachtraining mit den Trainingsthemen Zeitnot und schwache Grundreihe.
    Beispiel 1

    Angesichts des reduzierten Materials scheint remis trotz etwas aktiverem weißen Spiel wahrscheinlich. Aber auch in vermeintlich ausgeglichenen Stellungen finden sich manchmal verborgene Möglichkeiten.

    Wie kann Weiß die Aktivität seiner Figuren optimal zur Geltung bringen?

  • Lösung
    Schachdiagramm für Schachtraining mit den Trainingsthemen Zeitnot und schwache Grundreihe.








    Mit 1.Le8. Schwarz kann seine schwache Grundreihe nicht vernünftig verteidigen.

    1. ... Le7 2.Df8+ Lxf8 3.Txf8 matt.

    1.Le8 ist der einzige Gewinnzug. 1.Lg6 hxg6 oder 1.Dh5 De7 versprechen keinen Vorteil.

König im Endspiel
Taktische Motivtheorie

Der König ist im Endspiel eine starke Figur. Von seinen Bewegungsmöglichkeiten her ist er etwas weniger wert als ein Turm und etwas mehr als eine Leichtfigur.

In den allermeisten Fällen ist ein aktiver König ein Vorteil. Allerdings darf er nicht unvorsichtig sein, denn natürlich kann er auch mit nur mehr wenigen Figuren auf dem Brett mattgesetzt werden.

  • Weiß am Zug
    Schachdiagramm für Schachtraining mit den Trainingsthemen Zeitnot und matt setzen.
    Beispiel 2

    Der schwarze König nimmt hier sehr aktiv am Spielgeschehen teil, zudem hat der Nachziehende eine Mehrfigur.

    Hat der König sich zu weit vorgewagt oder kann Schwarz mit dem Materialvorteil die Partie gewinnen?

  • Lösung
    Schachdiagramm für Schachtraining mit den Trainingsthemen Zeitnot und matt setzen.








    Der König hat sich zu weit vorgewagt. Nach 1.Td6 ist der König in einem Mattnetz gefangen, weil sowohl Sxa6 matt als auch Tc6 matt droht.

    Auf 1. ... Se5 [1. ... Sxd6 scheitert an 2.Le3 matt] setzt 2.Lxe5 fxe5 3.Tc6 matt.

brestian@schachtraining.at
Impressum, Datenschutz, Hinweise