Strategietraining verbessert ganz gezielt Positionsgefühl, Stellungsbewertung, Planfindung und Beurteilung von Bauernstrukturen.

STRATEGIE­TRAINING

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Wann ist der "isolierte Bauer" ein Vorteil, wann ein Nachteil? Strategische Motivtheorie kann man ebenso erlernen wie taktische.
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Was ist Strategie?

Die Entwicklung von Plänen.

Warum ist Strategie wichtig

Strategisches Spiel betrifft die mittel- und langfristige Planung und ist die Grundlage jeder Schachpartie.

Während planvolles Spiel Druck auf die gegnerische Stellung erzeugt, kann planloses Spiel nur auf einen taktischen Lucky-Punch hoffen. Wichtig ist darauf zu achten, dass Pläne, die umzusetzen strategisch wünschenswert wären, aufgrund der besonderen Figurenkonstellation nicht taktisch misslingen.

Denn jeder noch so schöne Plan hilft nicht, wenn er beispielsweise an einem Zwischenzug scheitert. Deshalb gilt: Taktik hat immer Vorrang.

Strategische Motivtheorie

Strategische Motive kann man ebenso erlernen wie taktische.

Ein Unterschied besteht darin, dass Lösungen von strategischen Beispielen nicht zu Matt, Damengewinn oder Mehrfigur führen und deshalb als weniger Spiel entscheidend wahrgenommen werden.

Stellungsbeurteilung

Hand in Hand mit der Entwicklung strategischer Pläne geht die richtige Einschätzung der Lage auf dem Brett. Für die Stellungsbeurteilung gibt es eine Reihe allgemein anerkannter Kriterien, an denen man sich orientieren kann.

Die Raum-Zeit-Material-Waage:
Ausreichend Raumvorteil für den Entwicklungs­nachteil? Genügend Kompensation für den geopferten Bauern?

Dazu gehören etwa die Materialverteilung, im besonderen die Raum-Zeit-Material-Waage, die Sicherheit der Königsstellung, die Bauernstruktur, die Figurenentwicklung, offene Linien usw.

Bauernstrukturen

Strategische Pläne sind in der Regel eng verbunden mit der vorhandenen Bauernstruktur. Da Bauern nur vor, nicht aber zurückziehen können, sind Veränderungen in der Bauernstruktur meist langfristiger Natur.

Besondere Bedeutung kommt Bauernschwächen zu. Dazu gehören etwa der Doppelbauer, der rückständige Bauer oder der isolierte Bauer. Das Spannende ist, dass diese Bauernschwächen nicht zwingend ein Nachteil sein müssen, wenn es gelingt ihre Vorzüge herauszuarbeiten. Ein Doppelbauer beispielsweise kann auch Einbruchsfelder decken.

Als exemplarisches Beispiel für schwache Bauern wird oft der isolierte Bauer angeführt, weil er ja durch keinen Nachbarbauern mehr gedeckt werden kann. Allerdings kann so ein Einzelbauer auch für einige Dynamik am Brett sorgen, etwa durch die ständige Drohung seines Vorrückens.

Ältere Schachliteratur

Im historischen Kontext hat sich die Betrachtung strategischer Schwächen etwas verändert. Durch computergestützte Analysen weiß man heute, dass aktives Spiel das Ausnutzen solcher Schwächen stark erschweren oder gar unmöglich machen kann.

Ältere Beispiele in der Schachliteratur berücksichtigen diese dynamischen Komponenten strategischer Faktoren manchmal zu wenig und sind deshalb als Trainingslektüre nur bedingt geeignet.

Strategische Motivtheorie
Gute und schlechte Leichtfiguren

Ein wichtiges strategisches Ziel ist es, schlecht stehende Leichtfiguren abzutauschen und umgekehrt gut stehende oder für die Verwirklichung eines Plans wichtige Leichtfiguren zu behalten.

  • Weiß am Zug
    Schachdiagramm für Schachtraining mit dem Trainingsthema guter gegen schlechter Läufer.
    Beispiel 1

    Aufgrund des geschlossenen Zentrums und der geringen Anzahl von Figuren am Damenflügel wollen beide Seiten am Königsflügel spielen.

    Schwarz droht dort mit Dg6 die Initiative zu übernehmen, weil die weiße Dame keine guten Rückzugsfelder hat und der Abtausch die schwarze Bauernstruktur verbessern würde.

    Wie soll Weiß fortsetzen?

  • Lösung
    Schachdiagramm für Schachtraining mit dem Trainingsthema guter gegen schlechter Läufer.








    Mit 1.Lh3

    Nach 1. ... Lxh3 2.Dxh3+ Kc7 3.Sh4 ist es dem Anziehenden gelungen die Kontrolle über die weißen Felder und besonders über den schwachen Punkt f5 zu übernehmen.

    Der Abtausch des schlecht stehenden Lg2 gegen den gut stehenden Le6 sichert dem Springer das Feld f5 und ist ein typisches strategisches Manöver.

Strategische Motivtheorie
Spiel im Zentrum und am Flügel

Das Wissen um Motive ermöglicht nicht nur in taktischen, sondern auch in strategischen Momenten die richtige Reaktion auf gegnerische Pläne.

  • Weiß am Zug
    Schachdiagramm für Schachtraining mit dem Trainingsthema Zentrum öffnen.
    Beispiel 2

    Die Eröffnung ist abgeschlossen. Beide Seiten sind gut entwickelt, Weiß hat etwas mehr Raum.

    Mit seinem letzten Zug Ta8-b8 möchte sich Schwarz am Damenflügel die Initiative sichern und den Vorstoß b5 durchsetzen.

    Wie soll Weiß auf diese Drohung reagieren?

  • Lösung
    Schachdiagramm für Schachtraining mit dem Trainingsthema Zentrum öffnen.








    Mit 1.d4 cxd4 2.Sxd4. Häufig ist die richtige Antwort auf einen Flügelangriff die Öffnung des Zentrums.

    Durch die Öffnung der d-Linie ist der Bauer d6 schwach geworden und kann gar nicht so leicht verteidigt werden. Weiß behauptet klaren Vorteil. Hätte Schwarz statt Ta8-b8 den Springer nach d4 gezogen und so 1.d4 verhindert, wäre er keinesfalls schlechter gestanden.

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