Taktiktraining verbessert ganz gezielt motivtheoretische Kenntnisse, Rechenfertigkeit und Vorstellungsvermögen.

TAKTIKTRAINING

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Jeder Fehltritt kann zu sofortigem Partieverlust führen, besonders wenn die Aussichten beim Rechnen mit zunehmender Variantentiefe immer nebelhafter werden.
Strategie­training
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Was ist Taktik?

Die unmittelbare Wirkung der Figuren aufeinander.

Warum ist Taktik so bedeutend?

Einfach durch die Tatsache, dass Figuren wechselseitig aufeinander wirken, sind taktische Erwägungen ständiger Spiel­bestandteil vom ersten bis zum letzten Zug. Schon nach 1.e4 e5 2.f4 beginnen taktische Komplikationen, weil die Bauern f4 und e5 einander gegenseitig bedrohen und die Todesschräge e1-h4 geöffnet ist, was die Gelegenheit zu Dh4+ bietet.

Anders als positionelle Ungenauigkeiten können taktische Fehler den sofortigen Partieverlust nach sich ziehen. Auch das beste Spielverständnis hilft nichts, wenn man auf einen Trick hereinfällt oder etwas übersieht. Sogar Weltmeisterschaftskämpfe wurden schon durch wirklich grobe Fehler entschieden.

Ziele des Taktiktrainings

Das maßgebliche Ziel beim Trainieren von Taktikaufgaben ist das Einprägen und vor allem auch Nicht-wieder-vergessen möglichst zahlreicher taktischer Motive, um durch diese Vorbilder die richtigen Ideen verfolgen zu können. Ohne diese motivtheoretischen Kenntnisse ist es viel schwieriger bis unmöglich am Brett wirkungsvolle Kombinationen zu finden. Motivstudium ist für die Steigerung der Spielstärke deshalb unerlässlich.

Dazu kommt die Stärkung der Vorstellungskraft und Rechentechnik, um die sich aus den verschiedenen Motiven ergebenden Varianten auch richtig vorausberechnen zu können. Kombinieren erfordert eine genaue Berechnung der eigenen und gegnerischen Züge.

Die beiden Faktoren motivtheoretisches Wissen und Rechentechnik stehen in einem direkten Zusammenhang zur Spielstärke und sind deshalb für das praktische Training besonders bedeutend.

Was ist beim Taktiktraining wesentlich

Beim Trainieren von Taktikaufgaben spielen mehrere Punkte eine wichtige Rolle. Dazu gehören:

Die Trainingsthemen, also was trainiert werden soll: Vor allem Motivstudium und Vorausberechnung.

Die sorgfältige Auswahl der Beispiele:
Schwierigkeitsgrad und motivtheoretische Themen.

Allfällige zusätzliche Informationen als Hilfe zu Beispielen:
Etwa über den Partieausgang oder ein bestimmtes motivtheoretisches Thema wie beispielsweise Fesselung, Doppelschach usw.

Die Trainingszeit: Der Zeitaufwand insgesamt und auch im richtigen Verhältnis zwischen dem Studium der Aufgaben und dem Einprägen der Lösungen.

Die Evaluierung des Trainingserfolgs.

Ein wichtiger Trainingsfaktor: der Zeitaufwand insgesamt und das richtige Verhältnis zwischen lösen und lernen von Aufgaben.

Taktische Motive werden in verschiedene Kategorien eingeteilt. Das erste Beispiel rechts oben ist eigentlich sehr schwierig, wird in der Literatur aber häufig verwendet und ist deshalb vergleichsweise bekannt.

Es gehört gleich zu mehreren Kategorien: Damenopfer, ersticktes Matt und schwache Grundreihe, um die drei wichtigsten zu nennen. Hat man in einer Kategorie Schwächen, kann man mit ausgesuchten Beispielen ganz gezielt dagegen trainieren.

Einfach schwierig

Ob eine Stellung als einfach oder schwierig empfunden wird, hängt vor allem vom motivtheoretischen Wissen ab. Denn nur wenn man das Motiv auch sieht, spielen weitere Faktoren wie Variantensplitting und die Anzahl vorauszuberechnender Züge überhaupt eine Rolle.

Oft wird das Gefühl beschrieben, die Lösung hätte einen gleichsam angesprungen, sobald man ein bestimmtes Motiv erkannt hat.

Intuition

Es gibt Entscheidungen am Schachbrett, die aufgrund ihrer Komplexität nicht bis ins letzte Detail kalkuliert werden können. Hier kommt die Intuition ins Spiel. Durch die Analyse eigener Verhaltensmuster kann man herausfinden, wann man zu intuitiven Entscheidungen neigt und wie weit das Erfolg versprechend ist.

Taktik oder Strategie, was hat Vorrang?

Planvolles Spiel sollte die Grundlage jeder Schachpartie sein. Es kommt aber immer wieder vor, dass strategisch wünschenswerte Ziele aufgrund der besonderen Figurenkonstellation taktisch nicht verwirklichbar sind.

Ein noch so schöner Plan hilft nicht, wenn er beispielsweise mit einem Zwischenzug oder gegnerischen Figurenopfer widerlegt werden kann. Deshalb gilt: Taktik hat immer Vorrang, was aber nicht bedeutet, dass Strategie nicht wichtig ist oder man sich um strategische Fragen nicht kümmern muss.

Taktik als Mittel zur Änderung des Partieverlaufs

In der Praxis kommt es häufig vor, dass eine Fortsetzung zu ruhigem positionellen Spiel führt, während eine andere Fortsetzung das Spiel mehr oder weniger stark verschärft, was intensivere taktische Auseinandersetzungen wahrscheinlicher macht.

Ebenso kann in der Verteidigung eine gedrücktere Stellung mit langwierigem Lavieren in Kauf genommen oder mit einem zweischneidigen Gegenangriff eine rasche Entscheidung gesucht werden.

Schachblindheit

Selbst einfachste Dinge können übersehen werden und man ist dabei in guter Gesellschaft, denn Schachblindheit kommt sogar in der Weltklasse vor.

Schon der WM-Kampf 1892 zwischen Steinitz und Chigorin wurde durch das Nichtbeachten einer einfachen zweizügigen Mattdrohung, noch dazu in Gewinnstellung, entschieden und bis heute hat sich nichts geändert. Bei einer Turnierpartie gegen Deep Fritz 2006 übersah Kramnik sogar ein einzügiges Matt.

Was sind Motive?

Ein Motiv ist eine bestimmte Idee, die in verschiedenen auch völlig unterschiedlichen Stellungen vorkommen kann, aber ganz charakteristische Stellungsmerkmale braucht um verwirklicht werden zu können.
Ein Beispiel:

Weiß am Zug
Schachdiagramm für Schachtraining mit dem Trainingsthemen Taktik und was ein Motiv ist.








Weiß spielt 1.Sf7+ und setzt nach 1. ... Kg8. [Auf 1. ... Txf7 entscheidet 2.Db8+.] 2.Sh6++ Kh8 3.Dg8+ Txg8 4.Sf7 matt.

Das erstickte Matt im Zusammenspiel von Dame und Springer ist ein Motiv. Das Motiv würde sich nicht ändern, wäre auf g7 ein schwarzer Läufer oder würde die weiße Dame auf d5 stehen.

Einige Stellungsveränderungen würden das Motiv beeinflussen, andere nicht.

Mit einem schwarzen Läufer auf f8 etwa wäre 3.Dg8 sofort matt. Ohne schwache Grundreihe ginge möglicherweise die Verteidigung 1. ... Txf7. Gäbe es keinen weißen Springer mehr am Brett, würde das Motiv gar nicht in Betracht kommen, stünde der Springer woanders, wäre es vielleicht ein Plan, ihn nach g5 zu bringen.

Was sind Symmetrien?

Eine Symmetrie ist die Verwirklichung einer spiegelbildlichen Idee. Der praktische Nutzen auf Symmetrien zu achten liegt darin, dass man mit geringem Aufwand zusätzliche Lösungsmöglichkeiten finden kann. Es gibt mehrere Arten von Symmetrien, hier ein Beispiel zur Zugreihenfolgensymmetrie:

Weiß am Zug
Schachdiagramm für Schachtraining mit dem Trainingsthemen Taktik und was Symmetrie ist.








Verschafft man sich zunächst einen Überblick und geht dabei systematisch vor, beispielsweise mit "Schach, Schlagen, andere Auffälligkeiten", fallen als erstes die Züge 1.Sf6+ und 1.Lxf7+ ins Auge. Auffällig sind der schwarze Materialvorteil, die Fesselung des Se4 und die schwachen Felder rund um den gegnerischen König.

Beginnt man zu rechnen, scheitert 1.Sf6+ an 1. ... Dxf6 und 1.Lxf7+ an 1. ... Dxf7 während nach 1. ... Kxf7 2.Sd6+ dem Einschlag Erfolg beschieden wäre.

Bevor man sich nun nach anderen Zügen wie 1.f3 umsieht (was wegen des Materialnachteils verlieren würde) macht es Sinn Symmetrien zu suchen. Auf diese Weise kommt die Zugreihenfolgensymmetrie ins Spiel. Was passiert wenn man die Züge 1.Lxf7+ und 1.Sd6 vertauscht?

Weiß spielt 1.Sd6 Dxc2 [Auf 1. ... Df6 gewinnt 2.Sxe8.] 2.Lxf7+ Kh8 3.Sxe8 Dxf2 [Eine letzte Falle und ein gutes Beispiel dafür, dass eine Partie erst nach Matt oder Aufgabe wirklich entschieden ist, denn 4.Txf2 Ta1+ würde angesichts der schwachen Grundreihe den Spieß noch umdrehen.] 4.Lg7 matt.

Motivtheoretisch gesehen war der Se4 nicht wirklich gefesselt. Im Fachjargon spricht man von einer unechten Fesselung.

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