Geschickte Nutzung von Datenbanken zur Partien- und Turniervorbereitung und warum es fast noch wichtiger ist, was die anderen über einen wissen.

TURNIER­VORBEREITUNG

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Noch ist der Turniersaal leer und man weiß nicht wer welche Falle vorbereitet hat.
Schach besser verstehen
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Sich langfristig vorbereiten

Die langfristige Vorbereitung auf ein Turnier beginnend mit dem Formulieren bestimmter Ziele und dem Erkennen von Stärken und Schwächen im schachlichen und mentalen Bereich fällt unter das jeweilige Thema von Schachtraining ganz allgemein.

Kurzfristige Vorbereitung während eines Turniers

Spielt man bei einem Turnier, erfährt man in der Regel einige Stunden oder sogar einen ganzen Tag vorher gegen wen man spielt. Dieses Zeitfenster zwischen Auslosung und Partiebeginn ermöglicht sich gezielt auf sein Gegenüber vorzubereiten.

Noch mehr Zeit für Vorbereitung hat man bei Rundenturnieren. Das sind in der Regel Einladungsturniere und man weiß meistens schon Wochen vorher wer außer einem selbst noch eingeladen wurde. Solche Turniere sind außerhalb des absoluten Spitzenschachs mittlerweile aber selten geworden.

Auch laufende Meisterschaften bieten Gelegenheit zur Vorbereitung. Hier gibt es aber oft mehrere Möglichkeiten, wer einem gegenüber sitzen könnte, da ist zusätzliches Fingerspitzengefühl gefragt und mehr Fleiß.

Der Sinn der Vorbereitung

Das Wissen verschiedener Details über das gegnerische Spiel kann in mehrfacher Hinsicht hilfreich sein. Denn hat man herausgefunden was auf einen zukommt, kann man viel leichter ein Konzept finden, wie man darauf reagiert.

In der Eröffnung kann man bestimmten Lieblingsvarianten seines Gegenübers grundsätzlich ausweichen oder versuchen in diesen Varianten verschiedene Überraschungen vorzubereiten. Dazu gehören etwa Zugumstellungen, die auf nicht so bekanntes Terrain führen. Außerdem kann man das weitere Spiel nach den sogenannten "Repertoireschnittpunkten" üben.

Im Mittelspiel kann man eigene Vorlieben forcieren. Glaubt man taktisch stärker zu sein als sein Gegner oder seine Gegnerin bietet sich eine Verschärfung des Spiels an. Umgekehrt kann aber auch Damentausch und die Abwicklung ins Endspiel chancenreicher sein.

Was braucht man zur Vorbereitung

Grundlage jeder Vorbereitung sind gegnerische Partien. Das bedeutet in der Regel, dass man mindestens eine große Datenbank mit einer umfangreichen allgemeinen Partiensammlung braucht.

Aber auch das Sammeln der eigenen Partien, die vielleicht nie oder nur selten veröffentlicht werden, ist wichtig, denn es kann sein, dass man nicht das erste Mal oder in Zukunft öfter gegeneinander spielt. Nach ein paar Jahren kann man sich meistens nur mehr an das Ergebnis erinnern und nicht einmal das immer. Die Gefahr/Chance auf die gleiche Weise wieder zu verlieren/gewinnen fällt/steigt mit einer vollständigen Partiensammlung jedenfalls.

Datenbanken wollen gepflegt werden

Zur Pflege einer Datenbank gehört insbesondere ihre Aktualität, ihre Integrität, also dass man die Partien, die man sammelt auch wirklich nachspielen kann sowie das Vermeiden von doppelt vorkommenden Partien, sogenannten Dubletten. Bei mehreren Datenbanken ist es hilfreich zu wissen, was wohin gespeichert wurde.

Sicherheitskopien sind besonders wichtig, denn es kann leicht vorkommen, dass eine Datenbank kaputt wird.

Und nicht zuletzt sollte man auch immer über mehrere Sicherheitskopien verfügen.

Die Länge der Vorbereitung

Wie lange eine Vorbereitung dauern soll, hängt von vielen Umständen ab. Nicht zu empfehlen ist aber jedenfalls sich am Spieltag zu lange vorzubereiten und so schon müde zur Partie anzutreten. In der Praxis passiert das häufig, weil man immer noch irgendeine Variante findet, die ja vielleicht doch aufs Brett kommen könnte.

Was wissen die anderen über mich?

"Sichtbare Fehler" im eigenen Repertoire sind natürlich viel unangenehmer als "unsichtbare Fehler".

Kennt man die eigenen Partien, die andere für ihre Vorbereitung nutzen, kann man dieses Wissen in die eigene Vorbereitung einfließen lassen. So kann man beispielsweise viel leichter Überraschungen finden oder von eigenen Varianten frühzeitig abweichen.

Trainingsthema Vorteilsverwertung
Taktische Motivtheorie

Gewonnene Partien auch wirklich zu gewinnen ist manchmal gar nicht so einfach. Weil ein einziger eigener Fehler sofort zu Partieverlust führen kann, ist es wichtig, bis zum tatsächlichen Ende der Partie voll konzentriert zu bleiben.

  • Weiß am Zug
    Schachdiagramm für Schachtraining mit den Trainingsthemen Turniervorbereitung und Keilbauer.
    Beispiel 1

    Schwarz hat Probleme mit dem gefährlichen Keilbauern auf f6 und den aktiven gegnerischen Schwerfiguren.

    Wie soll Weiß fortsetzen um seinen Vorteil zu verwerten?

  • Lösung
    Schachdiagramm für Schachtraining mit den Trainingsthemen Turniervorbereitung und Keilbauer.








    Mit 1.Tc7 La8 2.Te7 Nun droht entscheidend Dh6.

    Sofort 1.Dh6 scheitert an 1. ... Te1+ 2.Kh2 Th1+ 3.Kxh1 Dh3+ 4.Kg1 Dxg2 matt.

Trainingsthema Angriff und Gegenangriff

Gegenangriffe sind ein gutes Mittel um Figuren mit Tempo zu bewegen, wenn beide Seiten das versuchen kommt es zu scharfem Spiel mit wechselseitigen Gegenangriffen.

  • Weiß am Zug
    Schachdiagramm für Schachtraining mit den Trainingsthemen Turniervorbereitung und Schnittpunkt.
    Beispiel 2

    Eine zweischneidige Stellung mit Angriffschancen für beide Seiten.

    Der letzte schwarze Zug mit dem Springer nach f6 hat den Punkt g7 verteidigt und zugleich eine Gabeldrohung aufgestellt.

    Wie soll Weiß auf diese Bedrohung reagieren?

  • Lösung
    Schachdiagramm für Schachtraining mit den Trainingsthemen Turniervorbereitung und Schnittpunkt.








    Mit 1.Dg5. Weiß gewinnt, weil Schwarz die Punkte f6 und g7 nicht decken kann.

    Ein Fehler hingegen wäre 1.Lxf6 wegen 1. ... Ld4. Der Läufer darf wegen der Schwäche von b2 und d1 nicht geschlagen werden.

    Motivtheoretisch gesehen handelt es sich um ein Schnittpunktproblem.

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